Unsere Software und Services haben grosses Potenzial
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26.05.2026

Am 1. Januar 2026 wurde die Finstar AG in die Unabhängigkeit entlassen. Seit diesem Datum ist Andrea Dankert an Bord des Lenzburger Bankensoftwarehauses. Die neue COO verrät im Interview, woher sie kommt, wo sie und das Unternehmen stehen und welche Herausforderungen sie auf dem Weg in die Zukunft erwartet.
Vielseitiger Job in spannendem Umfeld
Andrea Dankert, wer bist du?
Geboren und aufgewachsen bin ich im norddeutschen Kiel an der Ostsee. Ich lebe seit 2009 in der Schweiz und besitze seit 2021 den roten Pass mit dem weissen Kreuz. Als Chief Operating Officer der Finstar AG bin ich seit 1. Januar 2026 die Ansprechpartnerin bei sämtlichen Fragen zur Organisation, Security Governance, Risk&Compliance. Dabei arbeite ich eng mit den Human Resources, der Logistik und dem Marketing zusammen. Daneben unterrichte ich an der ZHAW zum Thema Geldwäsche.
Was hat dich an der Aufgabe bei Finstar am meisten gereizt?
Es handelt sich um einen vielseitigen Job in einem spannenden Umfeld mit einem start-up-feeling. Spannend ist, die Freiheiten des IT-Unternehmens mit den relevanten regulatorischen Anforderungen der Bank in Einklang zu bringen. In den vergangenen Jahren hat mich das Thema IT-Security Governance immer mehr interessiert, deshalb habe ich ein CAS Cyber Security gemacht. Die Fragestellungen rund um die Sicherheit passen perfekt zu meinem Know-how und meiner langen Erfahrung im Bereich Compliance.
Aufbau eines regulatorischen Radars
Wie war dein Empfang bei der Finstar?
Wie offen ich von meinen Kolleginnen und Kollegen aufgenommen wurde, ihre Bereitschaft, mir als Frischling zu helfen und die Hintergründe zu erklären, hat mich sehr gefreut. Das motiviert mich, denn es gibt noch viel zu tun – nicht nur wegen der neuen Situation der Finstar AG als unabhängige Tochter der Hypothekarbank Lenzburg AG.
Welche Arbeiten standen mit der Selbstständigkeit im Vordergrund?
Im Wesentlichen waren die normalen Anforderungen an eine Aufbauorganisation zu erfüllen. Der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung haben sich konstituiert. Das Organisations- und Geschäftsreglement wurde angepasst, erste Reglemente und Weisungen aus der HBL übernommen, eigene Formulare erstellt etc. Parallel dazu haben wir den Aufbau unseres regulatorischen Radars in Angriff genommen. Persönlich habe ich gleichzeitig den CAS Kunst & Recht abgeschlossen.

Das ist der perfekte Match
Deine ersten Eindrücke seit dem Start Anfang Jahr?
Bei der Finstar handelt es sich um ein superspannendes Unternehmen. Die Finstar Gesamtbankenplattform kann bezüglich Funktionalitätsumfang, Offenheit des Systems und Usability gut mit den anderen Systemen mithalten – da brauchen wir uns nicht zu verstecken. Unsere Software und unsere Services haben grosses Potenzial, das wir kontinuierlich weiter ausbauen. Daraus resultieren Marktopportunitäten, die wir kommunizieren und wahrnehmen müssen.
Kannst du uns bezüglich Opportunitäten Konkreteres verraten?
Einerseits sprechen wir mit unseren integrierten Banken-IT-Lösungen aus Software und Services die klassischen Universal- und Privatbanken an. Ergänzend bieten wir im Rahmen des Banking-as-a-Service (BaaS) gemeinsam mit der Hypothekarbank Lenzburg zukunftsorientierte Lösungen für Fintechs, Neobanken und im Zusammenhang mit Embedded Finance. Dabei profitieren diese Unternehmen von der Banklizenz der Hypi und unserer Software, die Kundenbeziehung liegt bei der Hypi – wir denken, das ist der perfekte Match.
Die Menschen sind wichtig
Was lässt sich zur Zusammenarbeit in der GL sagen?
Wir treffen uns alle 14 Tage mit einer spezifischen, rollenden Agenda, die allen aktuellen Fragen Rechnung trägt. Im Sinne maximaler Transparenz haben wir entschieden, die Protokolle für die Mitarbeitenden zu veröffentlichen, um jede und jeden an Bord zu holen – diese Informationen sind die ideale Ergänzung zu den Team-Meetings. Im Moment sind wir neben dem Tagesgeschäft zusätzlich mit der Erarbeitung unseres Inputs für die Strategie-Phase 2027 – 2031 beschäftigt.
Du bist die einzige Frau in einem Vierergremium…
Ohne es kontrolliert zu haben, dürfte die Zusammensetzung der GL der quantitativen Verteilung der Geschlechter innerhalb der Finstar entsprechen. Für mich ist es nicht entscheidend, wer etwas sagt, sondern, dass wir jede und jeden auf unseren Weg mitnehmen und begleiten. Alle Menschen sind wichtig, unabhängig vom Geschlecht oder der Nationalität. Nicht zu vergessen ist zudem, dass mit Marianne Wildi eine Frau die Position als Präsidentin des Verwaltungsrates der Finstar AG einnimmt.
Innovative, modulare und effiziente Services
Welche Themen beschäftigen dich zurzeit am meisten?
Es gilt, verschiedene Auditpunkte zu klären und zu erledigen. Wir müssen unser spezifisches IKS aufbauen, damit wir auf alle Prüfungen im Sommer seitens SIC und SWIFT respektive im Herbst seitens ISAE gut vorbereitet sind. Parallel dazu beschäftigen uns Fragen der europäischen Regulierung wie der Digital Operational Resilience Act, DORA oder der EU AI Act. Auch die Regulatorik in der Schweiz und Themen rund um die Nutzung von KI sind spannende Herausforderungen. Sie werden alle Einfluss auf uns haben und darauf müssen wir für unsere Kunden vorbereitet sein. Zudem überschreitet die Finstar bald die Marke von hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – das bringt weitere Herausforderungen bezüglich Organisation und Infrastruktur.
Wie sieht dein Blick in die Zukunft aus?
Das Thema Fintech wird weiter stark beschäftigen. Als Ankerpunkte bleiben die Kontoeröffnung und -führung und Transaktionen zentral – das beherrschen wir bereits sehr gut, darum herum werden wir innovative, effiziente und modulare Zusatzservices anbieten. Die ohnehin schon hohen Anforderungen an die Regulatorien und die Security werden weiter steigen. Die Prozesse müssen End-to-end, noch schneller und effizienter ablaufen. Die Arbeit und die Ideen gehen uns also bis auf weiteres nicht aus.