Wichtiger Rückhalt für KMU

Magazin
22.06.2021


Interview Taurus

Auf die Frage nach der Zukunft Digitaler Assets nennt Lamine Brahimi Immobilien sowie Aktien oder Forderungen nicht kotierter Firmen. In diesen Werten, in diesem Markt erkennt der Mitgründer und Managing Partner von Taurus ein grosses Potenzial für die neuen Anlageklassen.

«Technologien und Regulatorien stehen bereit. Das Banking hat sich im letzten Jahrzehnt von analog zu digital und mobil entwickelt». Der nächste, logische Schritt besteht für Brahimi darin, private, nicht kotierte Vermögenswerte zu digitalisieren. Dabei kommt den Prozessen eine zentrale Bedeutung zu. Denn Digitale Assets erlauben es, alles vollelektronisch und End-zu-End abzuwickeln: Vom Ausstellen sowie dem Management über die Custody bis zum eigentlichen Handel. «Der Transfer von Digitalen Assets sollte so einfach sein, wie der Erwerb eines Buches im Internet», fasst Brahimi zusammen. «Und es gibt keinen Grund, wieso das nicht so sein sollte.»

Eines von fünf

Die Daseinsberechtigung von Taurus besteht darin, den Märkten die bestmögliche digitale Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Ob Krypto-, ob andere digitale Währungen, ob tokenisierte Vermögenswerte: «Wir befähigen die Kunden mit Digital Assets, je nach Risikobereitschaft und Geschäftsfall, genau das zu machen, was sie wünschen. Zu diesem Zweck haben wir Taurus mit einem Team gegründet, das von einem ganzheitlichen Verständnis des Themas profitiert.» Das Taurus Team besteht aus Unternehmern, die über komplimentäre Profile und interdisziplinäre Fähigkeiten auf den Gebieten der Technologie, der Finanzdienstleistungen und der Regulatorien verfügen. Trotz des breiten Spektrums bezeichnet sich Taurus als Technologie-Unternehmen. «In diesen Bereich fliesst der Grossteil unserer Investitionen, 70 Prozent unserer Mitarbeiter sind Ingenieure.» Dieses Team beherrscht von der Soft- und Hardware über die Kryptografie bis zu den dezentralen Systemen und den DevOps die ganze Wertschöpfungskette. «International sind nur 3 bis 4 Teams dazu in der Lage», ist Brahimi stolz. «So können wir schnell Neuheiten liefern und sind gegenüber technologischen Evolutionen und Revolutionen ziemlich gut positioniert.»

Digital Assets selber managen

Zu den Kunden von Taurus zählen heute primär hoch entwickelte Finanzunternehmen wie Banken, Börsen oder Technologie-Lieferanten. «Wir arbeiten mit dem ganzen Spektrum an Finanzakteuren: Systemrelevante Banken, Investmentbanken, Privatbanken, Digitale Banken, Kantonalbanken, Corporate Banken, Kryptobanken sowie Handelsplätze. Aktuell vertraut etwa jede zweite Bank, die in die Welt der Digital Assets eingetreten ist, den Lösungen von Taurus», so Brahimi. Ihren Kunden bietet Taurus eine Plattform, mit der sie Kryptowährungen, DeFi, Digitale Währungen und tokenisierte Anlage über deren ganzen Lebenszyklus managen können. «Wir sind unter den einzigen in der Welt, die Banken befähigen, Digitale Assets von der Ausgabe bis zur Custody selber zu managen. Deshalb sind unsere Produkte dafür ausgelegt, die Komplexität massiv zu reduzieren. Zugleich lässt sich unsere Produkte-Palette nahtlos verbinden und in eine breite Auswahl an Kernbankensystemen integrieren.»

Potenzial für KMU

Seit dem ersten Börsengang im 1602 und trotz den rasanten Entwicklungen der letzten Jahre ist der IPO-Prozess langsam, komplex und teuer geblieben, sagt Brahimi. Aus seiner Sicht eröffnen Digital Assets und die Tokenisierung neue Möglichkeiten und Märkte, mit dem Fokus auf die privaten Segmente. «Die Hypothekarbank Lenzburg kann in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von KMU einnehmen», weiss der Mitgründer von Taurus. So liessen sich Werte, die nicht kotierte Vermögenswerte darstellen, etwa Aktien, Forderungen, Immobilien, Kunst und Strukturierte Produkte in Token verwandeln und kommerzialisieren: «Wir sprechen hier von einem Mehrere-Billionen-Markt.» Mit ihrer Infrastruktur und ihrer Technologie erlaubt Taurus ihren Kunden die Tokenisierung und das Management dieser Werte über den gesamten Lebenszyklus. «Unsere diesbezüglichen Lösungen stehen bereits bei verschiedenen Banken im Einsatz.» Auch traditionelle Börsen nutzen mittlerweile die Technologie von Taurus für die Erschliessung der neuen, digitalen Märkte. «Unsere Lösungen erlauben den Banken, in die Welt der Digitalen Anlagen einzutreten – und das zu einem Bruchteil der Kosten für eine Eigen- oder Drittentwicklung.» Auf die Frage, ob irgendwann die ganze Welt tokenisiert sein wird, antwortet Brahimi: «Davon sind wir noch weit entfernt.

Finstar als eine der ersten

Der Kontakt zwischen Taurus und Finstar besteht seit einigen Jahren. Lamine Brahimi, damals noch bei Lombard Odier tätig, und Marianne Wildi waren unter den Gründungsmitgliedern von Swiss Fintech Innovations. «Wir pflegten stets eine vertrauensbasierte Beziehung, sie ist für mich eine Visionärin. Wir blieben auch in Kontakt, nachdem ich die Bank verliess, um auf meine eigenen unternehmerischen Aktivitäten zu fokussieren.» So wurde Taurus angefragt, als die Hypothekarbank Lenzburg in die Digitalen Assets einsteigen wollte. Wie alle Anbieter wurde die Genfer Firma und ihre Lösung eingehend geprüft. Heute ist die Technologie von Taurus als Modul in die Gesamtbankenlösung integriert: Taurus-PROTECT regelt die Custody, Taurus-CAPITAL das Ausstellen sowie das Management der tokenisierten Vermögenswerte. «Finstar ist eine der ersten Kernbankenplattformen der Welt, die den nahtlosen Zugang zu traditionellen und zu digitalen Anlagen ermöglicht – das ist ein bedeutender Wettbewerbsvorteil », weiss Brahimi. Um diesen Vorsprung weiter auszubauen, arbeiten die Experten von Taurus, der «Hypi» und von Finstar sehr eng zusammen. «Wir unterstützen unseren Partner auch dabei, die Kunden zu integrieren. Und sie haben tatsächlich ein paar grossartige Kunden gewonnen!»

Fokus auf maximale Sicherheit

Und die Betrugsversuche rund um Digitale Assets? «Die strikte Erfüllung aller bankfachlichen und regulatorischen Vorgaben ist für uns von allerhöchster Priorität und in unserer DNA verankert. Ein Gründungsmitglied von Taurus arbeitete bei der FINMA, zwei Mitgründer blicken auf jahrelange Banking-Erfahrung zurück.» Aus technologischer Sicht beinhalten die Lösungen von Taurus Funktionalitäten, die Geldwäscherei- und Betrugsversuche in Echtzeit überwachen, sowie Risiko-Management und Compliance Module. «Zudem verwenden wir Hardware Security Module des FIPS Level 3. Für maximale Sicherheit verstärken wir diese Systeme mit unseren eigenen Experten und unserer eigenen Firmware zusätzlich.» Neben den bankfachlichen, regulatorischen und technischen Facetten trägt ein weiterer Punkt zur Sicherheit bei: «Im Sinne höchster Transparenz lassen wir die Kunden unseren Quellcode prüfen, falls sie das wünschen. Oder wir stellen ihnen den Audit einer unabhängigen Drittpartei zur Verfügung.» Nach Ansicht des Managing Partners von Taurus schaden Betrugsversuche dem Finanzsektor im Allgemeinen und den Digital Assets im Speziellen. «Unser Geschäft basiert auf Vertrauen. Wird dieses missbraucht, beeinflusst das die Reputation der Branche. Auf der anderen Seite arbeiten renommierte Teilnehmer wie Banken, Technologie-Unternehmen, Dachverbände, Regulatoren und Prüfungsgesellschaften zusammen an diesem Thema. Mit ihrer Arbeit tragen sie dazu bei, die Best-Practices und Standards und damit die Reputation der Digital-Asset-Branche nachhaltig zu stärken.»

Traditionell und digital nebeneinander

Für die Zukunft sieht Brahimi ein Nebeneinander traditioneller und digitaler Anlagen. Während gelistete Anlagen bereits digitalisiert wurden, ist das bei privaten Vermögenswerten noch nicht der Fall – hier dominiert immer noch Papier. «Aber die DigitalenAnlagen verändern heute schon, wie private Vermögenswerte geschaffen, gemanagt und gehandelt werden.» Diese Entwicklung läuft immer schneller, beobachtet er. «Aber für die nahe Zukunft sehe ich nicht, dass bereits kotierte Unternehmen ihre Aktien tokenisieren, zurzeit macht das noch keinen Sinn.» In Bezug auf die Zusammenarbeit mit Finstar wird Taurus die neusten Innovationen bereitstellen und dabei helfen, zusätzliche Kunden für die Kernbankenlösung zu gewinnen. Und sein Unternehmen in zehn Jahren? «Das weiss nur Gott.»

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